Novecento - Die Legende vom
Ozeanpianisten
Thomas Borchert als Novecento
Von Alessandro Baricco
Deutsche Übersetzung : Karin Krieger
Regie : Martin Maria Blau
Ausstattung : Franziska Gebhard

Premiere : 29.04.2008

"Stell dir vor : ein Klavier.
Die Tasten fangen an. Die Tasten hören auf...
Sie sind nicht unendlich.
Du bist unendlich, und in diesen Tasten ist die Musik unendlich, die Du machen kannst."

Thomas Borchert entführt Sie in diesem Ein - Personen - Schauspiel, auf eine Reise in die Seele des Novecento !

"Novecento - die Legende vom Ozeanpianisten" ist reine Poesie und von seltsam traumhafter Qualität.
"Novecento" - Auf der Bühne
Thomas Borchert als Novecento
In einer sparsamen Kulisse präsentiert sich "Novecento", in den Hamburger Kammerspielen. Ein Stück des Oberdecks, mit den dazugehörigen Laternen, eine Laufplanke und ein Flügel. Mehr Requisiten stehen Thomas Borchert nicht zur Verfügung und mehr benötigt er auch nicht.

Langsam, fast schüchtern, tritt Thomas Borchert auf die Bühne und beginnt die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der sein Leben auf dem Ozeandampfer "Virginian" verbracht hat. Auf dem Schiff geboren und von einem Matrosen aufgezogen, hat er nie etwas anderes kennen gelernt als die Weiten des Meeres.
Novecento, benannt nach dem Jahr in dem er gefunden worden ist, lebt für sein Klavierspiel, an Bord der "Virginian".
In dem gleichnamigen Ein - Personen - Stück verkörpert Thomas Borchert Novecentos besten Freund, der seinem Publikum nicht nur die Geschichte eines fantastischen Pianisten, sondern auch von einer Freundschaft erzählt, die ihresgleichen sucht.

Doch Thomas Borchert beschränkt sich nicht darauf den Original - Text, auf professionelle Art, vorzutragen, um durch eine solide Leistung zu überzeugen.
Er macht aus "Novecento" mehr als eine Erzählung. Durch sein fantastisches Schauspiel und viel komödiantisches Geschick beginnt er jeder Person, die den Weg des Pianisten kreuzt, Leben einzuhauchen. Plötzlich scheinen sie alle auf der Bühne der Kammerspiele zu stehen :
Der militärisch wirkende Kapitän mit der schneidenden Stimme, das Kind welches Novecento gewesen ist, die Passagiere der ersten Klasse, die sich zwar für die Musik begeistern, sie jedoch nicht verstehen können.
Selbst der schwarze Matrose Danny, Novecentos Ziehvater, erscheint wie leibhaftig auf der Bühne der Hamburger Kammspiele, obgleich diese, über den ganzen Abend, nur von einer einzigen Person bespielt wird.
Es ist ein Quantensprung, den Thomas Borchert in diesem Stück vollführt. Vom Erzähler und besten Freund, über Novecento selbst, bis hin zu dessen Konkurrenten wechselt er die Charaktere so rasant, dass man kaum glauben möchte, dass es sich tatsächlich um nur eine Person handelt, die dieses Stück interpretiert.
Teils melancholisch, oft amüsant und gelegentlich sogar wütend rollt Thomas Borchert die Lebensgeschichte Novecentos noch einmal komplett auf.

Beeindruckend, wie Thomas Borcherts Novecento, gleich einem großen Jungen, sein Leben anpackt, welches sich ausschließlich auf einem Ozeandampfer abspielt, in Form von 88 Klaviertasten.

Novecento sagt, dass man schon in den Augen eines Kindes erkennen kann, was dieses später einmal sehen wird.
Vielleicht gibt es auch Theaterstücke, die schon nach ihrer Entstehung wissen, dass es nur einen Schauspieler gibt, der es schaffen wird, sie würdig zu interpretieren.
"Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten" hat in Thomas Borchert endlich den Künstler gefunden, auf den dieser Text wohl immer gewartet hat.