Die limitierte Auflage seines englischsprachigen Debütalbums "The Best of Goodbyes" ist bereits vergriffen und wurde soeben nachgepresst, da erblickt schon das nächste Album aus dem Hause
Thomas Borchert das Licht der Musikwelt.
"Mehr als jedes Wort" heisst das 10 - Track - Album, auf dem sich der Musicalkünstler diesmal als Liedermacher und Song - Poet irgendwo zwischen Klaus Hoffmann,
Herman van Veen und Udo Jürgens versucht. Wieder hat Borchert die komplette Produktion selbst betreut : Text, Musik, Gesang, Piano, Keyboard und Percussion - alles "handmade", oder um den Namen des Plattenlabels
zu zitieren "soulmade". Musikalisch teils im Balladenstil, teils im Midtempobereich angesiedelt, bietet das Album gefällige, eingängige Melodien, welche die deutlich im Vordergrund stehenden Texte bestens transportieren.
Besonderes Augenmerk sollte man dabei auf die wunderschön verfassten Liebeserklärungen "Wüstenfrau", "Mehr als jedes Wort" und "Mein Sohn" legen. Putzig auch die Opener - Nummer "Durch den Regen". Dahingegen hat der
Rezensent mit so manch anderen Liedtexten arge Probleme; vor allem wenn es darum geht, die Welt zu verbessern. "Wir brauchen viele offene Herzen, denn es steht viel auf dem Spiel, es geht um uns und uns're Kinder,
denn ihr Weg ist unser Ziel", heisst es da in dem Lied "Nebenan", welches das Thema Kindesmissbrauch thematisiert. Was bitte soll ein Lied zu diesem Thema bewirken ? Bei "Ruthi Yael" gibt Borchert Lebenshilfe
("Giess Dir Deine eigene Form, befreie Dich von Deiner Norm"), während sich mir der sittliche oder auch nur unterhaltende Nährwert des reichlich banalen "Fies in Paris" einfach nicht erschliessen will. Manches klingt
zudem gestelzt ("Lass die Welt Dein Ego spür'n"), konstruiert ("Löse Dich von Deinem Streckverband"), nicht wirklich phantasievoll ("Er träumte die ganze Zeit vom Meer, er wollte die Einsamkeit so sehr") und läßt gar
manchmal den dramaturgischen Kontext vergessen ("Das größte Geschenk" beginnt mit einer vorweihnachtlichen Stressstimmung, wird zu einer Liebeserklärung und nimmt dann weder die anfänglich aufgebaute Weihnachtsstimmung
wieder auf, noch kehrt es zu dieser zurück). Leider gehen für meinen Geschmack zudem einige Titel produktionstechnisch viel zu schnell in die Vollen, klingen gesanglich und von der Instrumentierung her zu laut, zu direkt,
zu aufdringlich und lassen so keinen behutsamen Aufbau mehr zu. Irgendwie fühlt man sich dadurch etwas überfordert und überrumpelt. Weniger wäre da sicherlich mehr gewesen.
Obwohl sich mein persönlicher Geschmack
offensichtlich eher auf ein zweites Mainstream - Album von Tom Reed freut, wird Borcherts deutsches Album dennoch seine Fans finden. Also einfach mal 'reinhören und selbst entscheiden.
Geschmackssache !